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Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem deines Hundes gegen körpereigenes Gewebe: Es hält gesunde Zellen für Fremdkörper und zerstört sie. Je nachdem, welches Gewebe betroffen ist, trifft es rote Blutkörperchen, Blutplättchen, die Haut, die Gelenkinnenhaut oder Hormondrüsen. Behandelt wird fast immer mit Medikamenten, die das Immunsystem bremsen, häufig über viele Monate, oft lebenslang.
Das Wichtigste in Kürze
- Autoimmunerkrankung ist keine einzelne Diagnose, sondern eine Gruppe von Erkrankungen mit demselben Grundmechanismus: fehlgeleitete Antikörper gegen eigenes Gewebe.
- Am häufigsten betroffen sind beim Hund Blut (immunmediierte hämolytische Anämie), Haut (Pemphigus foliaceus), Gelenke (immunbedingte Polyarthritis) und Hormondrüsen (Schilddrüse, Nebennierenrinde).
- Die Symptome sind unspezifisch: Fieber, Schwäche, blasse Schleimhäute, wechselnde Lahmheiten, Krusten im Gesicht.
- Die Diagnose ist immer eine Ausschlussdiagnose. Infektionen, Tumoren und Medikamente müssen zuerst ausgeschlossen werden.
- Therapie der ersten Wahl sind Glukokortikoide, oft ergänzt um weitere Immunsuppressiva. Rückfälle sind möglich und machen Kontrolluntersuchungen nötig.
Was ist eine Autoimmunerkrankung beim Hund?
Eine Autoimmunerkrankung liegt beim Hund vor, wenn das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Strukturen bildet und diese angreift. Normalerweise unterscheidet der Körper zuverlässig zwischen eigen und fremd. Fällt diese Selbsttoleranz aus, zerstört die Abwehr genau die Zellen, die sie schützen soll.
Tiermediziner unterscheiden dabei zwei Formen. Bei der primären oder idiopathischen Form findet sich kein Auslöser, die Fehlsteuerung entsteht scheinbar aus dem Nichts. Bei der sekundären Form steckt eine andere Erkrankung dahinter. Die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover nennt als typische Auslöser einer sekundären Form Infektionen wie Babesiose oder Mykoplasmen, Tumorerkrankungen und chronische Entzündungen. Diese Unterscheidung ist keine Theorie: Wird ein sekundärer Auslöser übersehen und nur das Immunsystem gebremst, behandelt man am eigentlichen Problem vorbei.
Welche Autoimmunerkrankungen kommen beim Hund vor?
Beim Hund treten Autoimmunerkrankungen vor allem an vier Organsystemen auf: am Blut, an der Haut, an den Gelenken und an den Hormondrüsen. Welche Anzeichen du siehst, hängt vollständig davon ab, welches Gewebe angegriffen wird.
| Betroffenes Gewebe | Beispiel | Typische Anzeichen |
|---|---|---|
| Rote Blutkörperchen | Immunmediierte hämolytische Anämie (IMHA) | Blasse Schleimhäute, Schwäche, schnelle Atmung, Gelbsucht |
| Blutplättchen | Immunbedingte Thrombozytopenie | Punktförmige Blutungen an Schleimhaut und Haut, Nasenbluten |
| Haut | Pemphigus foliaceus | Pusteln, Schuppen und Krusten an Nasenrücken, Ohren und Ballen |
| Gelenkinnenhaut | Immunbedingte Polyarthritis | Fieber, steifer Gang, wechselnde Lahmheit, geschwollene Gelenke |
| Hormondrüsen | Autoimmune Schilddrüsenentzündung, Nebennierenrindenatrophie | Antriebslosigkeit, Fellprobleme, Gewichtsveränderung, Schwächeanfälle |
Blut: wenn die Abwehr rote Blutkörperchen zerstört
Bei der immunmediierten hämolytischen Anämie greifen Antikörper die roten Blutkörperchen an, sodass diese vorzeitig zerfallen. Der Hund wird blass, schwach und atmet schneller, weil sein Blut nicht mehr genug Sauerstoff transportiert. Wie sich eine solche Blutarmut beim Hund im Alltag zeigt und welche Ursachen sonst noch infrage kommen, ist ein eigenes Kapitel. Wichtig ist das Tempo: Eine schwere Hämolyse ist ein Notfall, bei dem laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover neben Immunsuppressiva auch Bluttransfusion, Sauerstoff und Infusionen nötig werden können.
Haut: Pemphigus foliaceus
Pemphigus foliaceus ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Haut beim Hund. Der Körper bildet Antikörper gegen die Haftstrukturen zwischen den Hornzellen, die Zellverbände lösen sich, und es entstehen Pusteln, die schnell platzen und zu Krusten eintrocknen. Das Fachlabor Laboklin beschreibt ein typisches Verteilungsmuster vom Nasenspiegel und Nasenrücken über die Ohrmuscheln bis zu Pfoten und Ballen, außerdem eine Veranlagung bei Akita Inu, Chow Chow, Bearded Collie, Neufundländer, Dobermann, Spitz und Dackel. Genau deshalb wird eine Krustenbildung im Gesicht, die auf normale Salben nicht anspricht, dermatologisch abgeklärt und nicht immer weiter lokal behandelt.
Gelenke: immunbedingte Polyarthritis
Bei der immunbedingten Polyarthritis entzündet sich die Innenhaut mehrerer Gelenke gleichzeitig, ohne dass Bakterien beteiligt sind. Auffällig ist die Kombination aus Fieber und Bewegungsunlust: In einer Untersuchung der Freien Universität Berlin an 21 betroffenen Hunden zeigten 95,2 Prozent Fieber, 90,5 Prozent ein gestörtes Allgemeinbefinden und 66,7 Prozent eine Lahmheit. Viele Hunde wirken dabei nicht an einem Bein lahm, sondern insgesamt steif, klamm und unwillig aufzustehen.
Hormondrüsen: Schilddrüse und Nebenniere
Auch hormonproduzierende Organe können Ziel des eigenen Immunsystems werden. Bei der lymphozytären Thyreoiditis zerstört die Abwehr nach und nach Schilddrüsengewebe, bis zu wenig Hormon übrig bleibt. Wie sich eine Schilddrüsenunterfunktion beim Hund äußert, kennen viele Halter als schleichende Antriebslosigkeit mit stumpfem Fell. Trifft es die Nebennierenrinde, fehlen lebenswichtige Stresshormone. Diese Form kennst du unter dem Namen Morbus Addison mit seinen Schwächeanfällen, die oft zuerst als Magen-Darm-Problem fehlgedeutet werden.
Welche Symptome deuten auf eine Autoimmunerkrankung hin?
Eindeutige Symptome gibt es beim Hund nicht, und genau das macht diese Krankheitsgruppe tückisch. Verdächtig ist vor allem die Kombination aus wiederkehrendem Fieber, deutlicher Abgeschlagenheit und Beschwerden, die auf gängige Behandlungen nicht dauerhaft ansprechen.
- Fieber ohne erkennbare Infektion, teils in Schüben
- Schwäche, Leistungsabfall, plötzliche Verweigerung von Treppen oder Spaziergängen
- Blasse oder gelbliche Schleimhäute, dunkler Urin
- Wechselnde Lahmheiten und geschwollene, schmerzhafte Gelenke
- Krusten, Schuppen und kahle Stellen, besonders an Nase, Ohren und Ballen
- Punktförmige Einblutungen an Zahnfleisch oder Bauchhaut
Merk dir bei Verdacht den zeitlichen Verlauf und fotografiere Hautveränderungen. Diese Angaben helfen der Praxis mehr als jede Ferndiagnose, weil viele Symptome zum Zeitpunkt des Termins schon wieder abgeklungen sein können.
Wie wird eine Autoimmunerkrankung beim Hund diagnostiziert?
Die Diagnose einer Autoimmunerkrankung ist beim Hund immer eine Ausschlussdiagnose. Es gibt keinen einzelnen Test, der sie beweist. Stattdessen arbeitet die Praxis andere Ursachen ab und sichert danach das betroffene Gewebe ab.
Am Anfang steht das Blut. Die Tierärztliche Hochschule Hannover nennt für den Verdacht auf eine immunvermittelte Blutarmut Blutuntersuchung mit Entzündungswerten und Autoagglutination, den Coombs-Test zum Nachweis gebundener Antikörper, den Blutausstrich, Urinuntersuchung sowie Ultraschall und Röntgen, bei Bedarf zusätzlich eine Knochenmarkuntersuchung. Welche Werte dabei überhaupt bestimmt werden und was sie aussagen, erklärt der Überblick dazu, wie du das Blutbild beim Hund richtig liest.
Je nach Organsystem kommt ein gezielter Eingriff dazu. Bei Gelenkbeschwerden wird in kurzer Narkose Gelenkflüssigkeit aus mehreren Gelenken entnommen und untersucht, bei Hautveränderungen ist die Stanzbiopsie einer frischen Pustel der Goldstandard, den Laboklin für die sichere Diagnose des Pemphigus foliaceus beschreibt. Parallel laufen Tests auf durch Zecken übertragene Infektionen, denn diese können dasselbe Bild auslösen.
Wie wird eine Autoimmunerkrankung beim Hund behandelt?
Behandelt wird die Fehlreaktion selbst: Der Hund bekommt Medikamente, die das überschießende Immunsystem dämpfen. Erste Wahl sind Glukokortikoide, in der Regel Prednisolon, das zunächst hoch dosiert und später langsam reduziert wird.
Reicht das nicht aus oder sind die Nebenwirkungen zu stark, wird kombiniert. In der Berliner Untersuchung erhielten alle Hunde Prednisolon, zusätzlich zehn Tiere Leflunomid, drei Ciclosporin und eines Mycophenolat-Mofetil. Weil Dauerbehandlung mit Kortison Durst, Hunger, Hecheln und langfristig weitere Folgen mit sich bringt, lohnt sich der genaue Blick auf Wirkung und Nebenwirkungen von Cortison beim Hund, bevor du eigenmächtig die Dosis änderst.
Plane Rückfälle mit ein. In der genannten Untersuchung kam es bei 8 von 21 Hunden, also 38,1 Prozent, zu einem Rezidiv, das nach erneuter Anpassung der Therapie wieder ansprach. Eine Autoimmunerkrankung ist deshalb selten nach ein paar Wochen erledigt, sondern wird über Kontrolltermine begleitet.
Was kosten Diagnostik und Dauertherapie?
Verlässliche Pauschalpreise gibt es nicht, weil sich Tierarztrechnungen in Deutschland nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte richten. Nach Paragraf 2 der GOT bemisst sich jede Leistung vom einfachen bis zum dreifachen Gebührensatz, abhängig von Schwierigkeit, Zeitaufwand, Tageszeit und örtlichen Verhältnissen. Im Notdienst erhöhen sich die Sätze auf das Zwei- bis Vierfache, zusätzlich fällt eine Notdienstgebühr von 50 Euro an.
Teuer wird eine Autoimmunerkrankung deshalb selten durch ein einzelnes Medikament, sondern durch die Summe: umfangreiche Erstdiagnostik mit Labor und Bildgebung, Eingriffe wie Gelenkpunktion oder Hautbiopsie in Narkose, im Ernstfall stationäre Behandlung mit Transfusion und danach jahrelange Kontrollen. Da die Erkrankung ab der Diagnose als Vorerkrankung gilt, ist der Zeitpunkt eines Versicherungsabschlusses entscheidend. Was dann noch möglich ist, klärt der Beitrag zur Hundekrankenversicherung trotz Vorerkrankung.
Wenn dein Hund noch gesund ist und du wissen willst, was ein Schutz für ihn kostet: Über den Beitragsrechner hast du das in rund zwei Minuten.
Alltag mit einem Hund mit Autoimmunerkrankung
Ein Hund mit gut eingestellter Autoimmunerkrankung kann ein normales Hundeleben führen. Entscheidend ist Verlässlichkeit: Medikamente zur gleichen Zeit geben, Kontrolltermine einhalten und die Dosis nie ohne Rücksprache absetzen, auch wenn dein Hund wieder fit wirkt.
Führe ein kurzes Protokoll über Fieber, Appetit, Gangbild und Hautbild. Weil unter Immunsuppression die Abwehr gegen echte Erreger geschwächt ist, gilt außerdem: Neue Symptome wie Fieber, Husten oder Durchfall gehören zeitnah in die Praxis und nicht erst zum nächsten Routinetermin.
Dieser Artikel ersetzt keinen Tierarztbesuch. Er ordnet Zusammenhänge ein, die Diagnose und die Therapieentscheidung gehören in die Hände deiner Tierärztin oder deines Tierarztes.
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