Inhaltsverzeichnis
Beim Havaneser treten vor allem vier Krankheitsgruppen gehäuft auf: die Patellaluxation am Knie, erbliche Trübungen der Augenlinse (Katarakt), Folgen der Chondrodysplasie an Rücken und Gliedmaßen sowie seltener angeborene Taubheit, Lebershunt und Herzbefunde. Fast alles davon ist erblich. Das heißt: Die Auswahl des Züchters und der Gesundheitsnachweise der Elterntiere entscheidet mehr über die Gesundheit deines Havanesers als alles, was du später fütterst oder trainierst.
Das Wichtigste in Kürze
- Patellaluxation ist das häufigste orthopädische Problem der Rasse. Typisches Zeichen: Dein Hund hüpft kurz auf drei Beinen und läuft dann normal weiter.
- Grauer Star tritt beim Havaneser überdurchschnittlich oft auf, im Schnitt erst mit etwa fünf Jahren. Eine einzige Augenuntersuchung im Junghundalter reicht deshalb nicht aus.
- Chondrodysplasie prägt den kurzbeinigen Körperbau und erhöht die Belastung von Bandscheiben und Gelenken.
- Angeborene Taubheit kommt vor, ist aber selten. Sie lässt sich beim Welpen mit dem BAER-Hörtest sicher feststellen.
- Seriöse Züchter legen für beide Elterntiere ein Patella-Attest und eine augenärztliche Zuchtuntersuchung vor. Ohne diese Papiere solltest du keinen Welpen kaufen.
Patellaluxation: das häufigste Problem beim Havaneser
Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe des Havanesers aus ihrer Gleitrinne im Oberschenkelknochen. Ursache ist meist eine angeborene Fehlstellung des Kniegelenks oder eine zu flache Gleitrinne, und wie viele kleine Rassen ist der Havaneser dafür anfällig.
Das Leitsymptom erkennst du im Alltag: Dein Hund läuft normal, hüpft plötzlich für ein paar Schritte auf drei Beinen und setzt das Bein danach wieder ganz selbstverständlich auf. Manche Hunde strecken das Bein dabei kurz nach hinten. Genau dieses Bild wird oft als Spielerei abgetan, ist aber der klassische Befund.
Tierärzte teilen die Patellaluxation in vier Grade ein. Bei Grad I bleibt die Kniescheibe an ihrem Platz und lässt sich nur bei der Untersuchung von Hand verschieben. Bei den höheren Graden springt sie von selbst heraus, bei Grad IV liegt sie dauerhaft außerhalb der Rinne. Grad I wird meist konservativ begleitet, ab Grad II bis III raten Kliniken in der Regel zur Operation, weil das Gelenk sonst über Jahre verschleißt. Was ein solcher Eingriff kostet und welche Diagnostik dazugehört, liest du im Detail unter Kosten einer Patellaluxations-OP beim Hund.
Beim Zuchthund gilt in Deutschland ein klarer Maßstab: Der Verband für das Deutsche Hundewesen verlangt vor der Zuchtzulassung ein tierärztliches Attest zur Patella. Für kleine Rassen ist ein Befund ohne Auffälligkeit die Voraussetzung, um überhaupt züchten zu dürfen.
Augen: Grauer Star tritt beim Havaneser gehäuft auf
Der Havaneser gehört zu den Rassen mit einem erhöhten Risiko für erblichen Grauen Star, also eine Trübung der Augenlinse. Eine norwegische Studie an Havanesern der Jahre 2003 bis 2022 fand bei rund fünf Prozent der untersuchten Augen einen Katarakt-Befund, das mittlere Alter bei Diagnose lag bei etwa 4,8 Jahren (Genomweite Assoziationsstudie zu Katarakt beim Havaneser).
Der wichtigste Praxis-Befund dieser Arbeit betrifft den Zeitpunkt: Eine Untersuchung im Alter von drei Jahren erfasste nur etwa neun Prozent der später betroffenen Hunde, eine Untersuchung mit sieben Jahren dagegen rund 95 Prozent. Eine einmalige Augenuntersuchung beim Junghund sagt also wenig aus. Für dich als Halter heißt das: Lass die Augen deines Havanesers auch im mittleren Alter regelmäßig anschauen, gerade wenn er in der Dämmerung unsicher wird, an Möbeln anstößt oder in fremder Umgebung zögert.
In Deutschland werden Zuchtuntersuchungen der Augen von speziell qualifizierten Tierärzten durchgeführt, organisiert im Dortmunder Kreis (DOK). Untersucht wird mit Spaltlampe und indirekter Ophthalmoskopie, für den Hund ist das weder schmerzhaft noch belastend. Frag beim Züchter gezielt nach diesen Bögen, nicht nur nach einer allgemeinen Gesundheitsbescheinigung. Wie sehr Augenprobleme bei kleinen Begleithunden ins Gewicht fallen, zeigt auch der Vergleich mit verwandten Rassen, etwa in unserem Ratgeber zu den häufigsten Krankheiten beim Shih Tzu.
Chondrodysplasie: kurze Beine mit Folgen für den Rücken
Der Havaneser ist eine chondrodysplastische Rasse. Das bedeutet, das Längenwachstum der Röhrenknochen ist genetisch verkürzt, was den typischen kompakten Körperbau mit kurzen Beinen und vergleichsweise langem Rücken ergibt. Das ist Rassestandard, aber nicht folgenlos.
Eine Untersuchung der Texas A&M University am Havaneser fand Skelettveränderungen als häufigste Auffälligkeit der Rasse überhaupt und beschrieb zusätzlich etwas Wichtiges: Katarakt, Lebererkrankungen, Skelettdefekte und Herzbefunde traten in den untersuchten Linien gemeinsam auf, wurden also offenbar zusammen vererbt (Journal of Heredity, Erblichkeitsanalyse beim Havaneser). Ein Hund mit auffälligem Skelett ist damit statistisch auch für die anderen drei Baustellen ein Kandidat.
Für den Alltag zählt vor allem der Rücken. Bei kurzbeinigen Rassen verkalken Bandscheiben früher, dadurch steigt das Risiko für einen Bandscheibenvorfall. Warnzeichen sind ein aufgekrümmter Rücken, Zögern beim Springen, Jaulen beim Hochheben oder ein plötzlich unsicherer Gang der Hinterbeine. Das ist ein Fall für den Tierarzt am selben Tag, nicht am nächsten Wochenende. Was dann diagnostisch und operativ ansteht, beschreiben wir unter Bandscheibenvorfall-OP beim Hund.
Praktisch hilfreich: Treppen und Sprünge vom Sofa vermeiden oder mit einer Rampe entschärfen, ein Brustgeschirr statt Halsband nutzen und das Gewicht konsequent niedrig halten. Übergewicht ist der Faktor, den du als Halter am direktesten steuern kannst.
Taubheit beim Havaneser: selten, aber prüfbar
Angeborene Innenohrtaubheit kommt beim Havaneser vor, ist aber deutlich seltener als bei den klassischen Risikorassen. Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover beschreibt, dass über 90 Hunderassen betroffen sein können und besonders Rassen mit Genen für Weißscheckung oder den Merle-Faktor anfällig sind. Der Havaneser trägt häufig weiße Abzeichen, deshalb ist das Thema nicht völlig vom Tisch.
Sicherheit gibt nur der BAER-Hörtest. Dabei wird jedes Ohr einzeln über die Hirnstammantwort geprüft, sodass auch eine einseitige Taubheit auffällt. Genau die übersieht man zu Hause fast immer, weil der Welpe mit einem funktionierenden Ohr im Alltag völlig normal wirkt. Wie stark eine Rasse davon geprägt sein kann, zeigt der Vergleich mit dem Dalmatiner, nachzulesen in unserem Beitrag zu Dalmatiner Krankheiten.
Lebershunt, Herzgeräusch und Zähne
Beim Havaneser gehören portosystemischer Lebershunt und Herzgeräusche zu den selteneren, aber ernsten Befunden. Ein Lebershunt ist eine Fehlverbindung im Blutkreislauf, bei der Blut an der Leber vorbeigeführt wird. Typische Hinweise sind ein Welpe, der schlecht zunimmt, nach dem Fressen benommen oder desorientiert wirkt oder auffällig oft trinkt und uriniert. Das gehört sofort abgeklärt, denn je früher die Diagnose steht, desto besser sind die Aussichten.
Auch am Gebiss lohnt der Blick. In der genannten Erblichkeitsanalyse fielen bei Havanesern gehäuft fehlende Schneidezähne auf. Unabhängig davon gilt für alle kleinen Rassen: Die Zähne stehen eng, Zahnstein und Zahnfleischentzündungen entwickeln sich früh. Regelmäßiges Zähneputzen ist beim Havaneser keine Kür.
Welche Nachweise ein guter Züchter vorlegt
Beim Havaneser sind Patella- und Augenuntersuchung der Elterntiere der Mindeststandard. Diese Tabelle fasst zusammen, wonach du fragen solltest:
| Untersuchung | Was geprüft wird | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Patella-Attest | Stabilität der Kniescheibe, Einstufung in Grade | Elterntiere vor der Zucht, Hund selbst bei Auffälligkeiten |
| Augenuntersuchung (DOK) | Katarakt und weitere erbliche Augenerkrankungen | Elterntiere, danach im Verlauf des Hundelebens wiederholen |
| BAER-Hörtest | Hörvermögen je Ohr einzeln | Welpe, besonders bei viel Weißanteil im Fell |
| Herz- und Leberkontrolle | Herzgeräusch, Hinweise auf Lebershunt | Erste Vorsorgeuntersuchungen beim Welpen |
Ein Züchter, der bei diesen Fragen ausweicht oder auf mündliche Zusagen verweist, ist ein Warnsignal. Die Papiere existieren, wenn ordentlich gezüchtet wurde.
Was kosten Behandlung und Diagnostik?
Tierarztkosten beim Havaneser richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte. Die Bundestierärztekammer weist darauf hin, dass die GOT keine festen Preise vorgibt, sondern einen Rahmen: regulär vom einfachen bis zum dreifachen Satz, im Notdienst ist ein höherer Satz zuzüglich Notdienstgebühr vorgesehen. Derselbe Eingriff kann deshalb je nach Aufwand, Schwierigkeitsgrad und Uhrzeit sehr unterschiedlich abgerechnet werden.
Grob eingeordnet: Eine augenärztliche Untersuchung oder ein Hörtest bewegen sich im überschaubaren Rahmen einer Vorsorgeleistung. Eine Kniescheiben-Operation mit Narkose, Röntgen, Klinikaufenthalt und Nachkontrollen liegt dagegen je nach Aufwand und GOT-Satz deutlich höher und trifft viele Halter unvorbereitet, zumal beim Havaneser häufig beide Knie betroffen sind. Eine Übersicht typischer Positionen findest du unter Tierarztkosten beim Hund.
Weil die rassetypischen Probleme des Havanesers fast alle erblich sind, lohnt sich der Blick auf eine Absicherung, solange dein Hund jung und ohne Befund ist. Bereits diagnostizierte Erkrankungen gelten später als Vorerkrankung. In 2 Minuten kannst du dir unverbindlich den Beitrag für deinen Havaneser berechnen und siehst direkt, was Schutz in seinem Alter kostet.
Alltag: Fellpflege und Bewegung
Das lange, seidige Fell des Havanesers braucht Pflege, ist aber kein Gesundheitsrisiko an sich. Wichtiger ist, was du dabei nebenbei mitbekommst: Beim täglichen Bürsten fallen Verfilzungen hinter den Ohren und an den Achseln auf, ebenso Hautrötungen, Zecken oder ein schmerzhafter Bereich am Rücken. Kontrolliere die Augenpartie mit, damit Haare nicht auf der Hornhaut scheuern.
Der Havaneser ist ein aktiver Familienhund, der Bewegung braucht, aber keine Extremsportarten. Regelmäßige, moderate Spaziergänge und Kopfarbeit sind für seine Gelenke besser als wildes Ballwerfen mit abrupten Stopps. Bei anderen kleinen Rassen ist die Ausgangslage ähnlich, ein guter Vergleich ist unser Ratgeber zu den häufigsten Krankheiten beim Chihuahua.
Dieser Artikel ersetzt keinen Tierarztbesuch. Wenn dein Havaneser Schmerzen zeigt, lahmt, schlecht sieht oder plötzlich verändert wirkt, lass ihn tierärztlich untersuchen.
Unsere Tarife im Überblick
Vom günstigen OP-Schutz bis zum Premium-Vollschutz. Der Beitrag hängt von Größe und Alter deines Hundes ab.
Testsieger der Barmenia · Stiftung Warentest SEHR GUT (1,3)Finanztest 05/2025, Barmenia Premium OP SB 0
Deinen Beitrag berechnenHäufige Fragen
Beitrag berechnen
Was kostet der Schutz für deinen Hund?
Testsieger-Schutz ab 18,75 €/Monat
(1,3)
Stiftung Warentest
4,9
2636 Bewert.
30.000+
Versichert







